Grindelwald im Winter vor 100 Jahren

Schneewalze um 1905 in Grindelwald

Schneewalze um 1905

Heute sind wir uns gewohnt, dass der Neuschnee auf Strassen und Wegen mit modernen Maschinen in kurzer Zeit geräumt wird.

Vor 100 Jahren war es für die Talbewohner im Winter nicht so einfach, sich im tiefen Schnee fortzubewegen. Dem gehbehinderten Grindelwalder Wagner und Schreiner Christian Bühlmann war es jedenfalls zu mühsam, den Weg zu seinen Kunden zu Fuss zurückzulegen. Dieses Problem wollte er lösen und wurde so zum Erfinder des Velogemels.

Der Velogemel, das originelle Schneefahrrad für den Winter

Christian Bühlmann benutzte im Sommer ein Fahrrad. Daher überlegte er, wie man dieses Prinzip auf einen Schlitten anwenden könnte.

1911 fertigte er sich deshalb ein Schneefahrrad, das ihn auf ebenen und abwärts führenden Strecken rascher zum Ziel bringen sollte – den Veloschlitten.

Ein Veloschlitten aus alten Zeiten

Ein Gemel aus alten Zeiten

Ein hölzernes Gestell mit zwei Kufen, vorne durch eine Lenkstange steuerbar, gestattete sitzend mittels Beinbewegungen und Abstossen mit den Schuhen ein Vorwärtskommen, ähnlich dem ersten Fahrrad von Drais (Draisine).

In Anlehnung an das Grindelwalder Dialektwort "Gemel" für Schlitten, nannten die Einheimischen den Veloschlitten bald einmal Velogemel.

Der Velogemel,
ein exklusives Grindelwalder Vehikel

Eine rasante Fahrt

Abfahrer an der Velogemel Weltmeisterschaft

In Grindelwald ist der Velogemel auch heute als Fortbewegungsmittel im Winter sehr beliebt. Dem Postboten leistet er gute Dienste auf seinen Touren, der Arzt benützt ihn bei Krankenbesuchen, der Bergbauer macht seine Einkäufe mit dem Velogemel und die Kinder fahren zur Schule damit. Seit 1996 wird in Grindelwald jährlich sogar eine Weltmeisterschaft im Velogemel-Fahren ausgetragen.

Nirgends sonst in der Schweiz werden Velogemel verwendet. Als Unikum werden sie jedoch in alle Welt verkauft. Käufer sind Australier, Japaner, Amerikaner, Neuseeländer und ganz einfach Liebhaber der Velogemel.